Ausgerissene Inbusschrauben aus Alu-Tastatur-Gehäuse entfernen
Eine ausgerissene Inbusschraube im Aluminiumgehäuse einer mechanischen Tastatur bekommt man in den allermeisten Fällen wieder raus. Mit dem Gummiband-Trick, einem Schraubenausdreher oder, wenn gar nichts mehr geht, durch vorsichtiges Aufbohren. Entscheidend ist dabei weniger das perfekte Werkzeug als Geduld und der richtige Ablauf, denn Aluminium verzeiht grobe Fehler nicht. Hier zeigen wir dir die sichersten Methoden, der Reihe nach, von sanft bis radikal.
Warum Inbusschrauben an Alu-Gehäusen so oft ausreißen
Alu-Gehäuse sehen gut aus und sind steif, keine Frage. Das Problem liegt woanders: Das Material der Schraubeninserts ist meist deutlich weicher als Stahl, und genau das rächt sich beim Festziehen. Die typischen Ursachen:
- Falsche Bit-Größe (etwa M2.5 statt M3 Inbus), der Schlüssel rutscht im Kopf und rundet ihn ab
- Zu viel Kraft beim Festziehen, wodurch das Innensechskant-Profil regelrecht verschliffen wird
- Korrosion oder Mikroverklebung durch Thread-Locker oder einfach durch Oxidation über Monate
- Billige Hex-Keys aus weichem Stahl, die sich beim ersten festen Dreh selbst verbiegen
Ein Punkt, den viele überspringen: Prüfe erst, ob wirklich nur der Schraubenkopf rundgedreht ist, oder ob schon das Gewinde im Aluminium selbst gelitten hat. Das ist kein Detail, sondern entscheidet, welche Methode überhaupt sinnvoll ist.
Schritt 1: Die sanfteste Methode zuerst, der Gummiband-Trick
Klingt nach Küchentrick, funktioniert aber erstaunlich zuverlässig bei leicht ausgerissenen Köpfen:
- Lege ein breites Gummiband (zum Beispiel von einem Einmachglas, notfalls ein dicker Haushaltsgummi) über den Schraubenkopf.
- Setze den passenden Inbusschlüssel darauf und drücke ihn kräftig hinein.
- Drehe langsam, mit gleichmäßigem Druck, gegen den Uhrzeigersinn.
Das Gummi legt sich in die ausgerissenen Rillen und sorgt für zusätzliche Reibung, genau da, wo der Schlüssel sonst durchrutscht. Bei nur leicht beschädigten Köpfen reicht das oft schon, ganz ohne einen Cent für neues Werkzeug auszugeben.
Schritt 2: Schraubenausdreher (Screw Extractor) verwenden
Hilft der Gummiband-Trick nicht, ist der Kopf vermutlich stärker beschädigt. Dann kommt der Schraubenausdreher ins Spiel:
- Nimm einen linksgängigen Bohrer in passender Größe (bei Tastaturschrauben meist 1,5 bis 3 mm)
- Bohre vorsichtig und möglichst mittig ein kleines Loch in den Schraubenkopf
- Setze den Extraktor ein und drehe gegen den Uhrzeigersinn, oft löst sich die Schraube schon beim Bohren, weil der Linksdrall sie quasi von selbst mitdreht
Tipp: Niedrige Drehzahl, wenig Druck. Sonst erhitzt sich das Aluminium rund um die Schraube, und genau das willst du vermeiden.
Schritt 3: Alternative Werkzeuge, die oft unterschätzt werden
- Dremel mit Trennscheibe: einen neuen Schlitz in den Kopf fräsen und anschließend mit einem Schlitzschraubendreher lösen
- JIS-Schraubendreher: manche vermeintlichen Inbusschrauben sind in Wirklichkeit JIS-genormt und reagieren auf passende JIS-Bits oft viel besser als auf normale Kreuzschlitz-Werkzeuge
- Kriechöl wie WD-40: 10 bis 15 Minuten einwirken lassen, vor allem wenn Korrosion oder alter Thread-Locker im Spiel sind
Schritt 4: Wenn nichts hilft, kontrolliertes Ausbohren
Letzte Option, wenn die Schraube komplett blockiert:
- Mitte der Schraube mit einem Körner markieren
- Schrittweise mit zunehmender Bohrergröße bohren, bis man knapp unter den Gewindedurchmesser kommt
- Reste des Gewindes mit einer feinen Zange oder einem Gewindebohrer herausarbeiten
Im Anschluss muss das Insert im Alu-Gehäuse eventuell ersetzt werden, etwa mit einem Heli-Coil oder einer größeren Schraube (M3 statt M2.5 zum Beispiel).
Häufige Fehler vermeiden
- Niemals mit roher Gewalt am bereits beschädigten Kopf weiterdrehen, das macht die Sache nur schlimmer
- Keine Zange direkt am Aluminiumgehäuse ansetzen, das gibt garantiert Kratzer und Dellen
- Immer von sanft nach aggressiv vorgehen, nicht umgekehrt
Vorbeugung für die Zukunft
- Investiere in vernünftige Inbusschlüssel, ein Bondhus- oder Wera-Set zahlt sich hier schnell aus
- Schrauben nur handfest anziehen, nicht mit voller Kraft reindrehen
- Ein Tropfen Kupferpaste auf dem Gewinde verhindert, dass sich die Schraube beim nächsten Mal festfrisst
Fazit
Eine ausgerissene Inbusschraube am Alu-Gehäuse der Tastatur ist lästig, aber selten das Ende der Geschichte. Fang mit dem Gummiband-Trick an, steiger dich über den Schraubenausdreher, und greif erst ganz am Schluss zum Bohrer. Mit dieser Reihenfolge und ein bisschen Geduld bleibt das Gehäuse fast immer unversehrt.